Einige Beobachtungen und Bemerkungen zur Waldtracht 2017


#1

In diesem Jahr hatten meine Bienen und ich die Möglichkeit in einem kleinen Weiler im Emmental Waldhonig zu gewinnen. Wie sich herausstellte handelte es sich vor allem um Weisstannenhonig.

Die Völker hatten im Zeitraum vom 3. Bis 23. Juli im Total Zunahmen zwischen 15 und 27kg (Durchschnitt lag bei 22kg/Volk, bei insgesamt neun Völkern). An einzelnen Tagen betrug die Zunahme über 3kg. Für mich eine schöne Ernte und eine besonders reichhaltige Wandererfahrung:

uebersicht

Dank den Waagen konnte ich nicht nur der Trachtverlauf gut verfolgen und abschätzen, sondern auch andere Beobachtungen anstellen. So zum Beispiel der Einfluss des Niederschlags. In der Literatur und auch unter Imkern gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Die einen meinen, nach einem starken Gewitter ist die Waldtracht vorbei, andere sind nicht dieser Ansicht :

niederschlag

Meine Waagdaten zeigen, dass es während und nach einem Niederschlagsereignis für eine Weile keine Zunahmen mehr gab oder sie zumindest merklich abflachten. Dies lässt sich wohl damit erklären, dass der Honigtau durch den Regen von den Tannen gewaschen wurde und sich erst wieder neu bilden musste. Wie stark sich Niederschläge auf Lauspopulationen auswirken kann ich hier anhand dieser Daten nicht beurteilen. Auch die Temperatur scheint einen Einfluss auf die Waldtracht zu haben:

temp

Bemerkenswert finde ich auch, dass die Völker sehr unterschiedliche Ergebnisse hatten. Zum Teil bis zu 10kg Mehrertrag. Dies kann durch verschiedenste Faktoren beeinflusst sein, so zum Beispiel durch Gesundheit, Stärke vor der Tracht, Zusammensetzung der Bienen, genetische Faktoren, Alter der Königin, ‚Findigkeit’ der Unterart in der Waldtracht. Mir ist es nicht möglich alle diese Einflussgrössen und es gibt bestimmt noch mehr, stimmig einzuordnen. Aber eine Beobachtung und allfälliger Erklärungsansatz möchte ich hier gerne festhalten. Ich bin mir in meinem Fall ziemlich sicher, dass die Unterschiede in den Zunahmen durch Verflug zu erklären sind. Meine Völker waren in einer Reihe aufgestellt, wobei das ‚grüne’ und das ‚schwarze’ Volk jeweils den Endpunkt bildeten. Wenn die Bienen aus den mittig (unter anderem Volk ‚blau’ und ‚orange’) aufgestellten Beuten ausflogen und schwer beladen heimkehrten, luden sie ihre Fracht beim nächstgelegenen Stock ab. Dies nennt sich in der Literatur auch „Eckvolkbildung“ (Kloft et al. 1965: 26) und die drei Autoren schreiben dazu: „Jeder überflüssige Meter Flugstrecke wird ei starker Beladung eingespart, und jede Biene, die genügend süssen Stoff zu verfüttern hat, wird eingelassen. Je breiter die Flugfront, desto stärker die Eckvolkbildung“ (ibid.). Hier meine Flugfront:

Literatur
KLOFT, W., A. MAURIZIO & W. KAESER 1965. Das Waldhonigbuch - Herkunft und Eigenschaften des Waldhonigs, vol. Band 3. München: Ehrenwirth.