Schwarmstatistik 2018


#1

Inzwischen haben wir Zeit gefunden die vorhandenen Schwarmdaten auszuwerten und statistisch aufzubereiten.

Insgesamt haben wir von April bis Juli 2018 insgesamt 172 Schwärme in der Schweiz aufgezeichnet. Dem gegenüber stehen insgesamt 308 Bienenvölker auf Waagen. Die 172 Schwärme lassen sich in 85 Vor- und 87 Nachschwärme aufteilen, d.h. von den 308 Bienenvölker haben 85 mindestens einmal geschwärmt was einer Quote von 28% entspricht.

Interessanterweise haben an unserem Referenz-Bienenstand mit 18 Völker und Volksvermehrung über den natürlichen Schwarmtrieb nur 6 Völker geschwärmt was einer Quote von 33% entspricht. Dies hat uns überrascht, da diese Quote nur wenig über dem Durchschnitt liegt und doch die Mehrheit der Imker gemäss unseren Schätzungen Schwärme zu verhindern versuchen.

Die 85 Vor- und 87 Nachschwärme lassen den übereilten Schluss zu, dass im Durchschnitt ein Nachschwarm zu erwarten ist. Dem ist aber nicht so, da viele Imker nach dem Vorschwarm die überzähligen Zellen brechen und dadurch einen Nachschwarm meist mit Erfolg verhindern. Von den uns bekannten Bienenständen ohne Schwarmverhinderung wissen wir aber, dass in den allermeisten Fällen genau zwei Nachschwärme abgehen.

SCHWARMGEWICHT

Wie man untenstehender Grafik entnehmen kann, bewegt sich das Gewicht der Schwärme meist im Bereich von 1 bis 3 kg, wobei Vorschwärme im Durchschnitt mit 2.7 kg schwerer sind als Nachschwärme mit 2.0 kg. In diesem Jahr war der schwerste gemessene Schwarm 4.8 kg schwer, im letzten Jahr gab es sogar einen Fall mit 6.0 kg. Beim hier angegeben Gewicht gilt es zu beachten, dass dies der aus dem Volk innerhalb weniger Minuten ausgeflogenen Bienenmasse inkl. Futter entspricht. Nachmessungen von nachträglich eingefangenen Schwärme haben jeweils ein etwas tieferes Gewicht ergeben, wahrscheinlich weil nicht restlos alle Bienen eingefangen werden konnten oder aber bereits mitgebrachtes Futter teilweise verbraucht wurde.

WANN SCHWÄRMEN DIE BIENEN

Auch interessant für Schwarmjäger ist um welche Uhrzeit die Schwärme normalerweise abgehen. Wenig überraschend gehen bi zu 50% der Schwärme in den Mittagsstunden von 11 bis 13 Uhr ab. Allerdings gibt es, meist bei unsicherem Wetter mit kurze aufhellungen, auch Schwärme die bereits vor 9 Uhr abgehen oder erst um 18 Uhr Abends.

Abschliessend wird noch die Schwarmhäufigkeit nach Monat dargestellt: Die letzten beiden Maiwochen sind mit Abstand die Spitzenreiter während erste Schwärme ab Mitte April detektiert wurden. Sogar gegen Ende Juli haben sogar noch einige Bienenvölker geschwärmt. Die genaue Ursache hierzu müsste man noch untersuchen. Wir vermuten dass die Königin dieser Völker aus irgend einem Grund gestorben oder nicht mehr leistungsfähig war und von den Bienen ersetzt wurde.

grafik


#2

Nachtrag: Von den 172 Schwärmen sind 29 wieder zurückgekehrt, was einer Rate von 16.9% entspricht. Davon waren 18 Vor- und die restlichen 11 Nachschwärme, d.h. Vorschwärme tendieren vermutlich aufgrund älterer Königinnen die nicht mehr richtig flugfähig sind eher zum abbruch.


#3

Silvios Statistik geht von 172 Schwärmen aus, die von den Waagen erkannt wurden. Bei meinen 12 Hivewatch-Waagen wurde oft eine falsche Schwarmalarm-SMS versandt, meist aufgrund von Manipulationen von mir am Stock. Falls diese Fehler nicht erkannt wurden sind sie in den 172 enthalten und verfälschen somit die Statistik.
Falls diese nachträglich als falsch erkannt wurden wäre es hilfreich, wenn ich dann eine entsprechende Meldung erhalten hätte.


#4

Wir haben manuell alle Alarm-Meldungen kontrolliert und aus den Gewichtskurven folgende Parameter herausgelesen:

  • Vor/Nachschwarm
  • Wieder zurückgekehrt oder nicht
  • Gewicht

Aus diesem Grund können wir Fehlalarme ausschliessen dafür hat die Analyse eine gewisse Zeit in Anspruch genommen. Im Idealfall entwickeln bzw. finden wir mal einen Algorithmus der diesen manuellen Aufwand automatisch erledigt, was allerdings nicht ganz trivial ist.


#5

Sehr schöne Zusammenstellung!
Vielen Dank für die Bemühungen an euch zwei :kissing:

Schwarmgewicht
Bezieht sich eure Analyse vom Schwarmgewicht auf den Zeitpunkt des Abgangs oder nach Normalisierung (1 -2 h nach erster starker »Schwarmstart«)? Ich hege die Vermutung, dass sich die Diskrepanz des Schwarmgewichts beim Abgang resp. Registrierung/Messung durch hivewatch und der Nachmessung beim Einfangen darauf zurückführen lässt, dass beim Schwarmakt oft über einen längeren Zeitraum Bienen zwischen Muttervolk (Beute) und Schwarm hin- und herpendeln. Bienen die zuerst mit dem Schwarm raus sind, kehren wieder zurück in die Beute und andere, die zuerst nicht schwärmten, schliessen sich später doch noch dem Schwarm an. Bei Nachschwärmen wurde beobachtet, dass sich sowohl Bienen und auch Königinnen aus anderen Völkern dem Schwarm anschliessen und auch Schwarmbienen in anderen Völkern landen. Bei grösseren Ständen und geförderten Nachschwärmen ergibt das ein richtig spannendes Tohuwabohu. Mit mehreren Königinnen pro Nachschwarm und viel Arbeit für Imker_innen:

Zur Rückkehr der Schwärme
Ich bin sehr erstaunt und wundere mich über die hohe Quote der zurückkehrenden Schwärme. Wurde dieses Phänomen in einem ähnlichen Ausmass auch schon 2017 so beobachtet? Ich versuche mich da mal schlau zu machen, ob das schon mal irgendwo dokumentiert oder genauer untersucht wurde.

Neben Wetterumschwüngen, flugunfähigen Königinnen oder übermütigen Bienen, fällt mir noch der Flügelschnitt bei der Königin zur Schwarmverhinderung ein. Der Schwarm geht raus, Königin kann nicht fliegen und die Bienen müssen dann zwangsläufig ohne die zumeist verlorene Königin, wieder in ihre Beute einziehen. Kann mir aber nicht vorstellen, dass diese Massnahme in der Schweiz weit verbreitet ist. Er wird vor allem in grösseren Berufsimkereien angewandt, dort auch zur zweifelsfreien Identifiaktion von (wertvollen) Königinnen.
(Er ist in allen Schweizer Biorechtlinien nicht erlaubt).